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Bürgerbeteiligung Hangweide: 40 Aktive – drei Workshops – ein Ergebnis


Ein lebenswertes, urbanes, sozial gemischtes Wohnquartier haben die Teilnehmer der großangelegten Bürgerbeteiligung zur Entwicklung der Hangweide im Blick. Das knapp acht Hektar große Gelände ist noch in Besitz der Diakonie Stetten, die Verkaufsverhandlungen mit der Gemeinde Kernen sind in Gang. Vergangene Woche überreichten die Moderatoren der Bürgerbeteiligung, Dr. Konrad Hummel und seine Tochter Lena, die Bürgerempfehlungen an Bürgermeister Stefan Altenberger und den Beigeordneten Peter Mauch. Jetzt liegt der Ball bei Verwaltung und Gemeinderat, die in einer nächsten Runde zu den 17 aufgeführten Punkten Stellung nehmen.
 
„Sämtliche Themenfelder werden im Gemeinderat diskutiert“, versprach der Kernener Schultes. Dass statt der erwarteten 100 bis 120 Teilnehmer nur gut 40 mitmachen wollten, sei etwas enttäuschend, „aber es ist klasse, was da von Bürgerseite erarbeitet wurde“, stellte er anerkennend fest. Unter anderem stehen die Punkte  „Bautypen-Vielfalt“, „verdichtete Bebauung“,  „Grüne Architektur, „mögliche IBA-Teilnahme“ (Internationale Bauausstellung), „Genossenschaftliches Bauen“, „Mobilität“. „Inklusion“ und „Nachhaltigkeit“ auf der Agenda.
 
Es sei schon beachtlich, so Moderator Dr. Konrad Hummel, „dass, und wie, sich 40 Leute zu einem Ergebnis zusammengerauft haben“. Einige seien mit festen Bildern im Kopf gekommen. Über die Workshops hinweg, bewegten sich dann die Extreme (von „Bitte nur Park“ bis „bitte alles hochinnovativ“) aufeinander zu. „Gefragt war im Beteiligungsprozess nicht das Durchboxen etwaiger Eigeninteressen, sondern die Konsensfindung zum Wohle der zukünftigen rund 800  Bewohner, verbunden mit dem Wunsch, vom Gemeinderat ernst genommen zu werden“, resümiert Hummel.
 
Als Leitgedanken schlagen die Teilnehmer den Räten nun vor, die Hangweide als sozial gemischtes, urbanes, dichtes Wohnquartier mit guter Infrastruktur zu überplanen: Es soll ein lebenswertes Quartier werden, zum Wohnen und (leisen) Arbeiten, unter Berücksichtigung neuer Wohnformen. – Mit Platz für Menschen, die so autofrei wie möglich leben wollen und die sich freiwillig um Inklusion und Toleranz bemühen. Das Gebiet soll in Respekt vor der Geschichte der Hangweide entwickelt werden, die an ausgewählten Orten erfahrbar bleiben soll. Ein behutsamer Umgang mit dem Baumbestand, eine Einbindung des Beibachs und die Berücksichtigung des Hochwasserschutzes gehören ebenfalls zur Vision der Hangweide, die nachhaltig gestaltet werden soll. „Die Gemeinde darf durchaus mit Mut gestalten“, gab Lena Hummel abschließend mit auf den Weg.
 
Bürgerbeteiligungsprozess: Rück- und Ausblick
 
Zu Beginn 2018 entschied sich der Gemeinderat für einen intensiven Bürgerbeteiligungsprozess im Vorfeld der Wettbewerbsauslobung zur Hangweide. Zwischen März und Mai fanden die öffentliche Auftaktveranstaltung sowie drei Workshops statt. Insgesamt 55 Personen – nach dem Zufallsprinzip angeschriebene und weitere Interessierte – meldeten sich zur Teilnahme an. Rund 35 bis 40 nahmen regelmäßig teil.
 
Nach den Workshops samt einer Begehung des Geländes, konkretisierten sich die Planungswünsche. Im Rahmen des oben zitierten Leitgedankens formulierten die Teilnehmer 17 Empfehlungen, zu denen nun die Verwaltung und der Gemeinderat Stellung nehmen. Ende September 2018 wird der Gemeinderat öffentlich über die Empfehlungen beraten, im Oktober werden Bürger und Räte Gelegenheit zur gemeinsamen Diskussion haben. Die Eckpunkte des städtebaulichen Wettbewerbs, der 2019 startet, werden voraussichtlich im Dezember im Gemeinderat diskutiert.