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Ein Hotel für Schwalben


Laut Volksmund bringen Schwalben den Häusern unter deren Dächern sie ihre Nester bauen Glück und wehren Unheil ab. Die Rückgänge der Insektenpopulation, aber auch die teilweise fehlende Akzeptanz in der Bevölkerung, lassen die Sommerboten jedoch seltener und zu Sorgenkindern des Naturschutzes werden. Künstliche Nisthilfen sollen Abhilfe schaffen und die Bestände sichern – so wie das neue Schwalbenhaus in Kernen, das speziell auf Bedürfnisse der Mehlschwalbe abgestimmt ist.
 
Spaziergängern in Stetten ist der Turm im Biotop Seewiesen am Haldenbach, nahe der Seemühle bestimmt schon aufgefallen. Er bietet in knapp fünf Metern Höhe insgesamt 30 fertige Nisthilfen in Form von geschlossenen, halbkugelförmigen Nestern. Sie verteilen sich auf zwei sechseckigen Etagen. Mit der Aufstellung des Schwalbenhauses wurde ein von der CDU-Gemeinderatsfraktion gestellter Antrag fürs Jahr 2018 in die Tat umgesetzt.“ 10.000 Euro waren hierfür im Haushalt eingestellt. Die Standortfrage entschieden die Räte im März und die Gemeinde gewann mit der hessischen Firma Agrofor einen kompetenten Partner für das Projekt. „Das Schwalbenhaus leistet einen wichtigen Beitrag zum Arten- und Landschaftsschutz“, sagt Kernens Beigeordneter Peter Mauch und ergänzt, „mit dem Biotop und seiner Nähe zum Bachlauf haben wir einen idealen Standort gefunden“.
 
Schwalben verbringen die kalte Jahreszeit in ihren Winterrevieren in Afrika, südlich der Sahara. Im April kommen sie zu uns zum Brüten und im Oktober sammeln sie sich, um wieder gen Süden zu ziehen. Die diesjährige Schwalbensaison neigt sich bereits dem Ende zu. Nun richten sich alle Blicke auf die Besiedlung im Gartenschaujahr 2019. Um den Vögeln, die gerne in Kolonien brüten, den Kernener Schwalbenturm schmackhaft zu machen, sollen kleine Lautsprecher in unmittelbarer Nähe des Turms die Vögeln mit Schwalbengezwitscher locken. Mit etwas Glück führt dies bereits bei der Ankunft der Tiere zum Erfolg, oder auch während der Brutsaison, wenn die neugierigen Jungtiere bei ihren Erkundungsflügen auf die Nistmöglichkeit stoßen.
 
Übrigens finden hier nicht nur Mehlschwalben, passende Quartiere – an der Unterseite der zweistöckigen Turmspitze ist auch an Fledermäuse gedacht.